Nordfrankreich

Nordfrankreich
Champagne - Hauts-de-France - Picardie 
Opalküste

Châlons-en-Champagne - Compiegne - 
Coucy-le-Château-Auffrique - Noyon -
Batterie Todt - Cap Gris-Nez - Cap Blanc-Nez - Boulogne-sur-mer

 

 

Freitag, 19.04.2024 Vitry-le-Francois

Bevor wir unseren geplanten Roadtrip nach Belgien machen, erkunden wir noch ein paar Stätten in der nördlichen Picardie, die wir bei unserer wunderbaren Rundreise im vergangenen Jahr ausgelassen haben. Am heutigen Freitag gilt es, am frühen Abend noch einige Kilometer zu fahren.

So erreichen wir das vorgebuchte Hotel Logis Spa la Poste, das sehr zentral in Vitry-le-François, nahe der Autobahn liegt. Zum zentralen Place d'Armes ist es nicht weit. Rund um diesen zentralen Platz (im Sommer sicherlich ein lebhafter Treffpunkt) gibt es einiges an Gastronomie. So finden wir zur späten Stunde noch einen urigen Pub. Offensichtlich wird im Claddagh Pub dem Rugby gefrönt, Wände und die Decke sind mit Devotionalien geschmückt. Ein netter Tagesabschluss bei Whisky und Rum.

Samstag, 20.04.2024 Vitry-le-Francois - Châlons-en-Champagne - Compiegne - Coucy-le-Château-Auffrique

Morgens drehen wir noch eine kurze Runde durch die Stadt, auf der Suche nach einer Bäckerei. Mit nur knapp 12.000 Einwohnern hat sich der Ort sehr nett herausgeputzt. Unser Hotel liegt direkt an der St. Martin Kirche aus dem 16. Jahrhundert. Die wahre Größe dieses Gotteshauses offenbart sich erst im aufstrebenden, dreischiffigen Innenraum, der durch seine eher puristische Ausstattung wirkt.

Vitry-le-Francois 

Den Place d'Armes sehen wir nun bei Tageslicht. Ein sehr schön angelegter zentraler Platz mit Wasserbecken und vielen Sitzmöglichkeiten unter schattenspendenden Baumreihen.

Mit einem letzten Blick auf das Rathaus im Renaissancestil verlassen wir die Stadt.

Wir fahren durch eine hügelige Landschaft, die von farbenfrohen, grünen und gelben Feldern überzogen ist. So erreichen wir die Champagne.

Das Städtchen Châlons-en-Champagne (knapp 45.000 Einwohner) inspiriert uns zu einem Zwischenstopp. Die Stadt wirkt mit vielen Fachwerkhäusern durchaus charmant. In der Stadt gibt es viele Kanäle, die einst für den Transport von Waren genutzt wurden.

Eine Besonderheit ist die Kirche Notre-Dame en Vaux, die eines der Hauptwerke aus der Übergangsphase zwischen Romanik und Gotik darstellt und einige schöne Kirchenfenster aufweist.

Chalons-en-Champagne-Kathedrale

Sehenswert ist natürlich auch die gotische Kathedrale Saint-Étienne. Das Wahrzeichen der Stadt ist ein architektonisches Meisterwerk, ihr Bau begann im 12. Jahrhundert und sie ist für ihre schönen Glasfenster bekannt.

Bevor wir nach Compiègne fahren, besuchen wir den geschichtsträchtigen Ort im nahegelegenen Wald von Rethondes.

Rethondes

Hier wurde am 11. November 1918 in einem Eisenbahnwaggon der Waffenstillstandsvertrag des Ersten Weltkriegs unterzeichnet. Im “Museum des Waffenstillstands von Rethondes” (Musée de l’Armistice de Rethondes) ist ein originaler Nachbau des Waggons zu sehen. Das Museum präsentiert Artefakte, Dokumente und Informationen über den Waffenstillstand und seine Auswirkungen. Es bietet einen faszinierenden Einblick in die Geschichte des Ersten Weltkriegs. Absolut empfehlenswert! Auch die Geschichte des Wagens wird ausführlich beschrieben. Schließlich kam dieser im Zweiten Weltkrieg, am 22. Juni 1940 erneut zum Einsatz. Diesmal war Deutschland der Sieger und der Waffenstillstand markierte die Besetzung und Teilung Frankreichs. Hitler als Führer des nationalsozialistischen Deutschlands, wählte absichtlich den gleichen Ort und sogar denselben Waggon, in dem der Waffenstillstand von 1918 unterzeichnet wurde, um Frankreich zu demütigen.

Rethondes

Der Rethondes-Waggon ist somit ein Symbol für zwei völlig verschiedene Waffenstillstände, die auf unterschiedliche Weise das Ende von zwei Waffengängen markieren sowie für die Tragödie der Geschichte.

Anschließend fahren wir nach Compiègne.

Besonders sehenswert ist dort das Château de Compiègne. Dieses im 18. Jh. erbaute prächtige Schloss diente als Residenz für verschiedene französische Monarchen, darunter Napoleon I., der das Schloss erheblich erweiterte und renovierte.

Chateau de Compiègne

Das Schloss ist bekannt für seine elegante Architektur, seine opulenten Innenräume und seine ausgedehnten Gärten. Heute beherbergt es ein Museum, das eine beeindruckende Sammlung von Möbeln, Gemälden, Skulpturen und dekorativen Kunstwerken ausstellt. Mit einem Audioguide wird man informativ bei dem Rundgang begleitet. Zum Abschluss besuchen wir noch das im ehemaligen königlichen Pferdestall untergebrachte Musée de la voiture et du Tourisme, in dem eine Vielzahl von historischen Fahrzeugen, darunter ein paar Autos und Motorräder, einige frühe Fahrradmodelle sowie zahlreiche fantasievoll gestalteten Kutschen präsentiert werden.

In der Altstadt gibt es einige schöne Fachwerkhäuser, die dem historischen Charme der Stadt einen besonderen Charakter verleihen.

Compiegne-Rathaus

Am Place de l'Hôtel de Ville blicken wir auf das imposante Rathaus. Nicht weit entfernt liegt die prächtige Kirche Saint-Jacques. Neben einer imposanten gotischen Fassade findet man im Innern schöne Glasfenster.

Da in Compiegne kein Hotelzimmer zu finden war, haben wir uns in Coucy-le-Château-Auffrique einquartiert. Schon bei der Anfahrt haben wir einen tollen Blick auf die imposante mittelalterliche Burg, die als Château de Coucy bekannt ist. Die Burg war einst eine der größten Festungen Europas und spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte der Region. Heute sind nur noch Teile der Burgruinen erhalten.

Chateau de Coucy

Das Hotel Bellvue hat erfreulicherweise auch ein Restaurant, denn abgesehen von einer Creperie hat der knapp 1.000 Einwohner zählende Ort darüber hinaus nichts Gastronomisches zu bieten. Im La Pomme d‘Or speisen wir durchaus passabel. Anschließend drehen wir noch eine kleine Runde durch den Ort und erkunden die zur Burg gehörenden Mauern.

Sonntag, 22.04.2024 Noyon - Batterie Todt - Cap Gris-Nez - Cap Blanc-Nez - Boulogne-sur-mer

Ein Abstecher gilt Noyon und insbesondere der Kathedrale (eine der sieben großen gotischen Kathedralen der Picardie, die wir auf unserer Rundreise im vergangenen Jahr ausgelassen hatten.

Cathédrale Notre-Dame de Noyo

Die Cathédrale Notre-Dame de Noyon hat eine imposante Fassade mit einem romanischen Portal. Sehr schön ist das Gewölbe der Kapelle Notre-Dame. Ebenfalls sehr schön sind auch die Ostfassade sowie die angrenzende Bibliothek des Kapitels.

Das Rathaus ist ebenfalls in einem schönen Gebäude untergebracht.

Noyon_Calvin-Museum

Einen kurzen Besuch widmen wir dem Musee Jean Calvin, der in Noyon geboren wurde. Das Leben und Werk des bedeutenden Reformators des Protestantismus erschließt sich uns hier aber nicht wirklich, nicht nur, weil alle Informationen nur in französischer Sprache sind, sondern auch weil die Ausstellung schlecht gemacht ist. Immerhin nutzen wir die Gelegenheit, bei Wikipedia eine Zusammenfassung zum Calvinismus zu lesen.

Abgesehen von einigen Plätzen hat die Altstadt von Noyon weniger Charme. Viele Häuser sind in keinem guten Zustand, zahlreiche Geschäfte stehen leer.

Für uns geht es weiter an die Opalküste. Das erste Ziel ist die Batterie Todt, eine der größten deutschen Küstenbatterien, die zwischen 1940 und 1944 erbaut wurden.

Batterie-Todt-Opalkueste

Sie umfasst massive Bunker, Geschützstellungen und Befestigungsanlagen, die strategisch günstig an der Küste positioniert waren, um die Meerenge von Dover zu verteidigen und feindliche Schiffe und Landungsoperationen abzuwehren.

Batterie Todt

In einer sehr informativen Ausstellung erkunden wir die Bunkeranlage und erfahren eine Menge über die geschichtliche Bedeutung der Festung und sind erstaunt, welche Reichweite die Geschütze im Zweiten Weltkrieg hatten, die Geschosse reichten bis nach england und im Schnitt alle zwei Wochen wurde die englischen Küstenstädte beschossen. Dieses Museum ist sehr empfehlenswert!

Anschließend fahren wir weiter an der Küste entlang. Die Opalküste erstreckt sich über eine Länge von etwa 120 Kilometern entlang des Ärmelkanals, beginnend von der belgischen Grenze im Norden bis zur Mündung der Somme im Süden.

Sehenswert ist die Landspitze Cap Gris Nez. Von mehreren Aussichtspunkten hat man einen schönen Ausblick auf die Küstenlandschaft.

Landspitze Cap Gris Nez

Allerdings müssen wir auf dem Rundgang ganz schön gegen den starken Wind ankämpfen. Trotz des bewölkten Himmels können wir vom Cap Gris-Nez aus die weißen Kreideklippen der englischen Küste erahnen. Die Entfernung zwischen Dover in England und dem nahe gelegenen Calais in Frankreich beträgt nur etwa 34 Kilometer.

Landspitze Cap Blanc-Nez

Noch besser gefällt uns die Landspitze Cap Blanc-Nez. Vom Strand aus haben wir einen tollen Blick auf die hohen Kreideklippen, die steil aus dem Meer aufragen.

Eine Unterkunft haben wir in Boulogne-sur-Mer gebucht. Das Hotel Zenao liegt am Rande des Hafens und wurde erst vor einem guten halben Jahr eröffnet, sodass die Außenanlagen noch eine Baustelle sind und die kleinen Appartments entsprechend günstig sind.

Boulogne-sur-Mer hat den größten Fischereihafen des Landes. Am heutigen Sonntag ist von der Lebhaftigkeit des Hafenviertels aber nichts zu spüren. Die Gezeiten kann man auch im Hafenbecken sehen, wo aktuell im wahrsten Sinne des Wortes „Ebbe“ herrscht.

Der Fischmarkt ist entsprechend ebenfalls geschlossen. Entlang der angelegten Uferpromenade spazieren wir zum von Michelin empfohlenen Restaurant La Matelote und speisen mit Teilblick aufs Meer und die untergehende Sonne sehr gut.


Montag, 22.04.2024 Boulogne-sur-Mer - Ypern - Kortrijk - Brügge

Ein kurzer Stopp gilt der Altstadt von Boulogne-sur-Mer. Eine kilometerlange mittelalterliche Festungsmauer (13. Jahrhundert ) rahmt die Altstadt mit vielen Türmen und imposanten Toren ein.

Boulogne-sur-Mer

Hier befindet sich auch die imposante Basilika Notre-Dame, die im 19. Jahrhundert im neugotischen Stil erbaut wurde und eher durch ihre Größe beeindruckt.

Für uns geht es nun weiter nach Belgien.