Kaukasus-Reise
Tour durch das Kaukasus
Osttürkei - Armenien - Georgien
Reiseroute Mai 2026
| Türkei/Ostanatolien: | Van - Akdamar - Nemrut - Ahlat - Dogubeyazit - Ani -Kars |
| Armenien: | Gymri - Amberd - Jerevan - Etschmiadsin - Zvartnots - Chor Virab - Noravank - Geghard - Garni - Sevan - Alaverdi - Haghpat - Sanahin |
| Georgien: | Wardsia - Signagi - Kvareli (Kachetien) - Mzcheta - Uplisziche - Gori - Tiflis |
Sonntag, 10.05.2026 Türkei - Ostanatolien: Van - Vansee
Nachdem wir gestern in Istanbul den Anschlussflug nach Van verpasst haben, sind wir nach einer unfreiwilligen Übernachtung in einem Hotel, das Turkish Airlines bezahlt hat, am sehr frühen Morgen bereits zum Sonnenaufgang am neuen Großflughafen in Istanbul.
Der Flug verläuft planmäßig und wir können bereits im Landeanflug einen fabelhaften Ausblick auf die Gebirgslandschaft werfen. Der Blick auf die noch schneebedeckten Gipfel und die türkis leuchtende Seen lässt Vorfreude aufkommen.

So landen wir am späten Vormittag erfreulicherweise mit unseren Koffern auf dem Flughafen in Van. Dieser liegt direkt am Vansee. Hier werden wir bereits empfangen und zur Urartu-Burg gefahren. In exponierter Lage thront diese auf einem monumentalen Felsrücken über dem See.
Die Reisegruppe, zu der wir nun stoßen, hat gerade die Besichtigung abgeschlossen. Schade, die Besichtigung der urartäische Festung Van Kalesi aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. (insbesondere Keilinschriften und einen tollen Ausblick über den See) haben wir leider verpasst. Bei der Weiterfahrt erhalten wir zumindest einen kleinen Eindruck von der monumentalen Festungsanlage. Aus der Ferne lassen sich einige Felsinschriften erkennen.
Nun fahren wir am Ufer des Vansees entlang. Es ist der größte See der Türkei und sieben mal größer als der Bodensee. Wir befinden uns im Hochland auf etwa 1.650 m über NN. Ein wunderschönes Bergpanorama aus zum Teil schneebedeckten Vulkansilhouetten rahmt den türkisblau leuchtenden See ein.
Ziel ist der kleine Ort Gevaş. Von hier fahren wir mit dem Boot zur Insel Akdamar, das kulturelle Highlight des Vansees. Auf der Bootsfahrt können wir die wunderschöne Landschaft genießen.

Schon bei der Anfahrt zur Insel sehen wir die armenische Kirche, die die Insel berühmt gemacht hat. Die armenische Kirche zum Heiligen Kreuz stammt aus dem 10. Jahrhundert. Sie gehört zu den bedeutendsten armenischen Sakralbauten überhaupt.

An den Fassaden gibt es einige Reliefs zu bewundern, z. B. Adam und Eva, David und Goliath, Jona und der Wal oder Weinranken. Die Reliefkunst ist außergewöhnlich plastisch und lebendig.
Im Hintergrund Rahmen schneebedeckte Berge die Insel ein und erfreuen unser Auge auf der Rückfahrt mit dem Boot.
Unser nächster Programmpunkt ist die Besichtigung des Hoşap Kalesi. Auf der Fahrt passieren wir die Passhöhe auf 2225 m über dem Meer.

Etwa 60 km südöstlich von Van liegt das Hoşap Kalesi, das zu den spektakulärsten Burgen Ostanatoliens gehört. Die Festung stammt überwiegend aus dem 17. Jahrhundert und wurde von den kurdischen Mahmudi-Fürsten errichtet. Sie erhebt sich dramatisch auf einem steilen Felssporn über dem Hoşap-Fluss. Dahinter erhebt sich majestätisch eine Bergsilhouette.
Die gewaltigen Wehrmauern aus massiven Natursteinblöcken sind direkt mit dem Felsen verbunden. Besonders schön ist das monumentale Eingangstor mit osmanisch-persischer Ornamentik, arabischen Inschriften und dekorativen Steinmetzarbeiten.
Innerhalb der Festung befanden sich neben den Wach- auch Wohnräume, eine Moschee sowie Vorratslager und Zisternen. Heute sind viele Bereiche Ruinen, aber die Struktur ist noch gut erkennbar. Die Anlage diente dem Zweck, die wichtige Karawanen- und Handelswege an der alten Seidenstraße zwischen Anatolien, Persien und dem Kaukasus zu kontrollieren.

Auch von Erosion stark betroffene Reste der ehemaligen Befestigungsmauer sind zu sehen.
Weniger gut erhalten ist die Festung Çavuştepe Kalesi, die etwa 25 km südöstlich von Van auf einem langgestreckten Kalksteinrücken über der Ebene des Hoşap-Tals liegt. Die Festung wurde im 8. Jahrhundert v. Chr. unter König Sarduri II. erbaut und war Teil des strategischen Verteidigungssystems des urartäischen Reiches rund um den Vansee. Von oben blicken wir aber auf eine wunderschöne Landschaft aus fruchtbaren Ebenen und Gebirgszügen.
Çavuştepe zählt zu den wichtigsten archäologischen Stätten des urartäischen Reiches. Die Ruinen waren von einer dicken Erdschicht überzogen, bevor Archäologen mit den Ausgrabungen begonnen haben. Inzwischen weiß man, dass die Anlage militärische und religiöse Funktionen verbindet. Die Oberburg war das religiöse Zentrum, der königliche Bereich und die letzte Verteidigungslinie. Hier befanden sich Tempel und repräsentative Gebäude. Besonders wichtig war der Tempel des Hauptgottes Haldi, der Kriegs- und Staatsgott Urartus und Schutzgott der Könige war.
Die Unterburg umfasste Verwaltungsräume, Werkstätten, Kasernen und Vorratsspeicher. Berühmt sind Speicheranlagen für Getreide, Öl, Wein und Waffen. Çavuştepe verfügte über eine ausgeklügelte Wassertechnik mit Zisternen, Kanälen und Wasserspeichern.
An mehreren Stellen wurden urartäische Keilschrift-Inschriften gefunden, die Auskunft über den Bau der Festung von König Sarduri II und der Geschichte Urartus geben. Heute sind nur noch Grundmauern aus Steinquader im unteren Mauerbereich zu erkennen. Darüber standen ursprünglich Lehmziegelmauern und Holzkonstruktionen.
Damit beenden wir unsere Besichtigung und fahren zum Hotel in Van.
Van (400.000 Einwohner) liegt bereits auf etwa 1.700 m Höhe, hat aber keine klassische historische Altstadt. Die heutige Stadt wurde nach dem Ersten Weltkrieg weitgehend neu aufgebaut und hat keinen besonderen Reiz. Enorm ist dafür Vans historische Bedeutung als Zentrum des urartäischen Reiches, wichtiges armenisches Kulturgebiet und Station an alten Handelswegen.
Montag, 11.05.2026 Ostanatolien: Van – Akdamar – Nemrut-Krater - Doğubeyazıt
Morgens fahren wir erneut am Vansee entlang und genießen den schönen Blick auf den See und die Gebirgslandschaft. Rund um den See gibt es immer mal wieder schön angelegte Picknickplätze.
Die Gegend südlich des Vansees ist landschaftlich besonders schön. Große Lavafelder, weite Hochflächen und Vulkansilhouetten haben einen besonderen Reiz. Dazwischen sieht man immer wieder recht ärmliche kurdische Dörfer. Die Berge sind eher karg. Auf den Wiesen grasen ein paar Schafe und Kühe. Tierzucht ist eine der Haupteinnahmequellen in dieser Region.
Die Natur ist aufgrund des kalten Klimas in der Höhe im Vergleich zu Baden etwas zurück. Immer wieder sehen wir herrlich blühende Bäume.
Die Fernstraßen sind erstaunlich gut, außerhalb der Städte meist zweispurig, ausgebaut. Wir nähern uns der iranischen Grenze und werden mehrfach von Polizeikontrollen angehalten und müssen unsere Reisepässe vorzeigen.
Bald erreichen wir Tatvan am westlichen Vansee. Vor uns erhebt sich der Nemrut, ein gewaltiger Schichtvulkan. Die Zufahrt führt über steile Serpentinen durch die vulkanische Landschaft. Doch schon bald erreichen wir die Schneegrenze. Hier fängt das Skigebiet an, das sich aber schon in Sommerpause befindet.

Da die Zufahrtsstraße auf den Krater aufgrund des Schnees nicht passierbar ist, bleibt uns der Blick in die riesige Caldera des Nemrut-Kraters verwehrt und damit auch die Kraterseen und heißen Quellen. Schade, doch die Aussicht auf den Vansee und die schneebedeckte Hochgebirgslandschaft ist auch bei nicht ganz klarer Sicht grandios. Aus der Gipfel-Silhouette sticht der Süphan Dağı, mit über 4.000 m Höhe der zweithöchste Vulkan der Türkei, heraus.
Ein weiteres Highlight erwartet uns in Ahlat mit einem monumentalen Friedhof. Dieser gehört zu den bedeutendsten islamischen Friedhöfen der mittelalterlichen Welt. Berühmt ist dieser für die zahlreichen gut erhaltenen seldschukischen Grabsteine und Mausoleen (Kümbets).

Langsam nähern wir uns der iranischen Grenze. Ein weiterer Halt gilt den Bendimahi-Wasserfällen bei Muradiye. Die Wasserfälle entstehen aus dem Bendimahi-Fluss, der vom Aladağ-Gebirge zum Vansee fließt.

Aktuell schießt das Wasser kraftvoll in breiten Kaskaden über Basalt- und Lavaformationen. Über eine Hängebrücke gelangt man auf die andere Uferseite zum Kopf des Wasserfalles. Der Fluss ist über die Ufer getreten und erinnert an ein Überschwemmungsgebiet. Auch ein Blick von der unteren Aussichtsplattform lohnt sich, auch wenn man riskiert, nass zu werden.
Mit einem etwas beklemmenden Gefühl fahren wir an der Grenze zum Iran entlang. Die ein oder andere Polizeikontrolle müssen wir erneut über uns ergehen lassen. Die Grenzmauern und Wachtürme ziehen sich über die Gebirgshänge.
Bald taucht der schneebedeckte Gipfel des Ararat auf, ein erloschener Stratovulkan, der mit 5.137 m der höchste Berg der Türkei ist, seine Spitze ist ganzjährig schneebedeckt und häufig in Wolken gehüllt. Der letzte bekannte größere Ausbruch erfolgte im 19. Jahrhundert. Für Armenier besitzt er eine enorme symbolische Bedeutung, da am Fuße dieses Berges der Sage nach die Arche Noah nach der Sintflut gestrandet sein soll. Der daneben aufragende kleine Ararat ist 3.896 m hoch und mit einer schönen Spitze ausgestattet.
Als wir unser Tagesziel Doğubeyazıt erreichen, befinden wir uns etwa 35 km von der iranischen Grenze entfernt auf einer Hochebene (auf rund 1.600 m Höhe) unterhalb des mächtigen Ararat.

Die Hauptattraktion der Region ist der İshak-Pascha-Palast, der zu den schönsten historischen Bauwerken der Türkei zählt. Den restlichen Sonnenschein nutzen wir, um uns die Palastanlage von außen anzusehen. Der Palast aus dem 18. Jh. liegt hoch über der Ebene und wirkt fast wie eine orientalische Festungsstadt.

Oberhalb des Palastes auf einem steilen vulkanischen Felsen sieht man die Reste der älteren Festung Eski Beyazıt Kalesi. Die Festungsanlagen und die kleine Stadt unterhalb der Festung wurden von den Russen und bei Kurdenaufständen zerstört.
Auf dem Weg zum Hotel in Doğubeyazıt können wir erfreulicherweise einen Blick auf den wolkenfreien Gipfel des Ararat werfen.
Dienstag, 12.05.2026 Doğubeyazıt - Ani - Kars
Der repräsentative İshak-Pascha-Palast wurde im alten Stil wieder aufgebaut (und leider mit einem modernen Glasdach versehen). Heute haben wir Gelegenheit, den Palast zu besichtigen. Seine osmanische Architektur aus dem 17.–18. Jahrhundert zeigt auch persische Einflüsse und seldschukische Elemente.

Die Wände sind zum Teil mit schönen Reliefs geschmückt. So findet man Lebensbäume, Löwen, Ornamentik und Schriftzeichen. Besonders schön sind der Versammlungsraum und die dazugehörige Moschee. Die Haremsräume (dienten hier als Familienräume) sind mit Nischen versehen und haben Kamine.
Entlang der armenischen Grenzen fahren wir heute weiter nach Ani. Das Landschaftsbild ändert sich. Wir fahren vorbei an farbenfroh leuchtenden Lavafeldern. Schon bald sind Grenztürme sowohl auf der armenischen als auch auf der türkischen Seite zu sehen.
Ein besonderes Erlebnis ist die Besichtigung eines ehemaligen Salzbergwerks in Tuzkuca. Heute werden die Stollen als Therapiezentrum zur Behandlung von Atemwegserkrankungen genutzt. Die Schächte bilden riesige Hallen. Spuren von Salz sind an den Wänden gut zu erkennen.
Durch die schöne Lavalandschaft setzen wir die Fahrt fort. Schon bald kommt der Aragaz (armenisch: Aragats) in Sicht. Der Berg (ein erloschener Vulkan) hat vier Gipfel; der Nordgipfel ist mit etwa 4.090 Meter der höchste Berg Armeniens.
Das Highlight des heutigen Tages ist die Besichtigung von Ani unmittelbar an der armenischen Grenze. Die ehemalige Hauptstadt des mittelalterlichen armenischen Königreichs wurde als „Stadt der 1001 Kirchen“ bekannt und hatte vermutlich bis zu 100.000 Einwohner (UNESCO-Weltkulturerbe).

Die antike Stadt Ani war ein bedeutender Knotenpunkt der Seidenstraße und galt im Mittelalter als eine der reichsten und größten Städte der Region. Nach Eroberungen durch Byzantiner, Seldschuken und später Mongolen verlor die Stadt allmählich ihre Bedeutung. Erdbeben und der Rückgang des Handelsvolumens führten schließlich zur Aufgabe der Stadt.
Als noch gut erhaltene Bauwerke sind mehrere Kirchen, die Ruine der Kathedrale, eine Zitadelle, die Menuçehr-Moschee sowie ein Verteidigungssystem mit mächtigen Stadtmauern zu sehen.
Fantastisch ist auch die grandiose Landschaft. Im Hintergrund erhebt sich der Gipfel des Aragaz (4070 m hoch).

Der Blick in die Schlucht des Arpaçay ist spektakulär. In der Ferne ist das sogenannte Mädchenkloster zu sehen.
Unsers Tagesziel ist die Stadt Kars, die wir leider im Regen erreichen. Die Burg von Kars thront über der Stadt.
Mittwoch, 13.05.2026 Kars - Kartsakhi (Grenze) - Wardsia
Morgens haben wir die Gelegenheit, einen kleinen Eindruck von Kars zu gewinnen.

Auf einem Hügel über der Stadt liegt die Festung Kars Kalesi. Die Altstadt ist bekannt für seine Mischung aus osmanischer, russischer und armenischer Geschichte. Besonders auffällig ist die russische Architektur aus dem 19. Jahrhundert.
Bei der markanten Fethiye-Moschee handelt es sich um eine ehemalige russisch-orthodoxe Kirche, heute ist hier eine Moschee. Die ehemalige Apostelkirche (heute Kümbet-Moschee) stammt aus dem 10. Jahrhundert.
Wir fahren am Hochlandsee Çıldır Gölü (Çıldır-See) vorbei, der auf 1900 m über NN liegt und einer der größten Süßwasserseen der Türkei ist. Nach knapp zweistündiger Fahrt erreichen wir den Grenzübergang in Çildir. Die Einreise ist ein besonderes Erlebnis. Wir verabschieden uns von Orhan, unserem türkischen Reiseleiter und gehen mit unserem Gepäck in die türkische Grenzstation. Zunächst erfolgt die Ausreise. Anschließend müssen wir durch einen langen Gang gehen, das Gebäude verlassen, um in die georgische Grenzstation zu gehen. Es folgt erneut ein langer Gang, bis wir endlich in den Abfertigungsbereich kommen. Nach Koffer- und Passkontrolle dürfen wir endlich einreisen.
In Georgien werden wir von unserem georgischen Reiseführer Gaga bereits erwartet.
Wir können bestätigen, dass die Einreise aus der Türkei nach Georgien problemlos ist. Da die Grenze aus der Türkei nach Armenien aktuell geschlossen ist, werden wir morgen aus Georgien nach Armenien reisen.
Äußerst holprig werden wir in Georgien empfangen. Die Straßenqualität in der grenznahen Region bei Kartsakhi ist katastrophal und weitgehend eine Baustelle. Dennoch sind viele LKW unterwegs, die von den guten Handelsbeziehungen mit der Türkei zeugen.
Die Region ist 35 Jahre nach der Abspaltung von Russland noch immer in einem desaströsen Zustand. Die Menschen leben weitestgehend von Landwirtschaft. So wird in der Region um den Kartsakhi-See von Armeniern Kartoffelanbau betrieben. Später wird die Straßenqualität etwas besser. Die Ortschaften sind ärmlich. Man sieht heruntergekommene Häuser aus der sowjetischen Zeit und ein altes oberirdisches Gasleitungssystem (angeblich aufgrund der hohen Erdbebengefahr.).

Mittags erreichen wir die Höhlenstadt Wardsia aus dem 12. Jh., die direkt in die Felswand über dem Fluss Mtkwari gehauen wurde. Es handelt sich um eine gewaltige Festungsanlage, die im Kriegsfall bis zu 50.000 Menschen aufnehmen konnte, darunter Soldaten, Mönche und Flüchtlinge.
Die Höhlenstadt war strategisch sehr gut geschützt und von außen nicht zu erkennen. Die Anlage erstreckte sich ursprünglich über ungefähr 500 Meter entlang der Felswand und hatte bis zu 13 Ebenen und funktionierte autark mit einem eigenen Bewässerungssystem, Werkstätten, Vorratsräumen, einem Weinkeller und einer Apotheke. Tausende Räume waren durch ein kompliziertes Netz aus Tunneln, Treppen und geheimen Durchgängen verbunden. Von außen war nur eine normale Bergwand zu sehen. Erst das Erdbeben von 1283 riss große Teile der Außenwand weg und machte die Höhlen sichtbar. Besonders bemerkenswert ist das mittelalterliche Höhlenkloster, in dem heute noch Mönche leben. Faszinierend, was Menschenhand vor 800 Jahren geschaffen hat.
Donnerstag, 15.05.2026 Georgien: Wardsia - Bavra (Grenze) - Armenien: Gyumri
Morgens fahren wir erneut auf schlechten Straßen zur georgisch-armenischen Grenze bei Bavra.
Unterwegs gibt es einen Fotostopp bei der Chertwisi-Festung aus dem 10.Jh., als eine der ältesten in Georgien wurde sie wieder aufgebaut.
Die Grenzstation Bavra befindet sich im Norden Armeniens, nur etwa 1 Kilometer von der Türkei entfernt. (Drei-Länder-Grenze). Die Einreise erfolgt problemlos, etwas Geduld müssen wir allerdings haben. Nach dem Grenzübergang sowie einem Guide- und Bus-Wechsel geht es auf besser ausgebauten Straßen weiter. Die ersten Eindrücke von Armenien sind aber auch von Armut und Landwirtschaft geprägt. Die Region gilt als Kornkammer des Landes.
Armenien - das “Land der Steine” wird von Gebirgszügen eingerahmt (40 % des Landes sind gebirgig) und liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von 1800 m. Das Land ist etwa so groß wie Belgien und hat gut 3 Mio. Einwohner.
Unser Tagesziel ist Gyumri, die zweitgrößte Stadt (ca. 200.000 Einwohner) Armeniens.
Im 19. Jahrhundert hieß Gyumri Alexandropol und war eine wichtige Garnisonsstadt des Russischen Reiches. Später trug sie in Sowjetzeiten den Namen Leninakan. Bekannt ist Gyumri für seine historische Altstadt.

Typisch ist die Architektur aus schwarzem und rotem Tuffstein. Unser Hotel aus Sowjetzeiten liegt direkt am großen Vardanants-Platz.
Auf einem Altstadtrundgang sehen wir einige historische Kirchen und Beispiele der Tuffstein-Architektur. Leider wurde die Altstadt bei einem Erdbeben 1988 stark zerstört. Viele historische Gebäude gingen verloren, doch ein großer Teil der Altstadt blieb erhalten oder wurde inzwischen, wie die Erlöserkirche, wieder aufgebaut.
Im Ethnographischen Museum bekommen wir einen guten Eindruck der handwerklichen Kunst. Sehr anschaulich können wir später einem Schmied bei der Arbeit in seiner Werkstatt zusehen.
Freitag, 15.05.2026 Gyumri - Aschtarak - Amberd - Jerevan

Morgens gilt ein kurzer Besuch der Schwarzen Festung (Sev Berd), die 1834 von der russischen Zarenarmee errichtet wurde. Die Lage ist grandios. Der Bau ist kreisrund. Das Innere wird für Veranstaltungen genutzt.
Durch das armenisches Hochland geht es heute nach Jerevan. Schon bald taucht vor uns der Aragaz auf, der höchste Berg (4090m) des Landes. Für einen kurzen Moment zeigt sich der Gipfel wolkenfrei.

Bei Aschtarak besichtigen wir das mittelalterliche Kloster von Saghmosavank (Psalmenkloster), das direkt über der Khasachschlucht liegt. Im Hintergrund ist der Ararat an der armenisch-türkischen Grenze zu sehen.
Durch das armenische Hochland geht es weiter nach Jerevan. Die Stadterkundung erfolgt zunächst mit dem Bus. In der Landeshauptstadt leben etwa 1,1 Mio. Menschen. Die Häuser in den Außenbezirken sind heruntergekommen und wirken sehr ärmlich. Viel Architektur stammt noch aus der Sowjetzeit. Auch im Stadtzentrum gibt es einige heruntergekommene Sowjet-Wohntürme, aber auch viele neue Gebäude.

Von einer Aussichtsplattform können wir die Stadt überblicken, die auf den ersten Blick aber wenig reizvoll ist. Monumental wirken die Gebäude rund um den Platz der Republik.

Nachmittags steht der Besuch eines Musikers auf dem Programm, der das armenische Nationalinstrument Duduk (eine Flöte) aus Aprikosenholz schnitzt und für uns auf verschiedenen Flöten in unterschiedlichen Tonlagen spielt.
Anschließend checken wir im zentral gelegenen Ani Plaza Hotel ein und erkunden die Stadt zu Fuß. Das Hotel liegt nicht weit entfernt vom Republiksplatz, der für seine Architektur aus rosafarbenem Tuffstein berühmt ist. Rund um den Platz befindet sich das Regierungsgebäude und einige Museen. Die Stadt ist zum Wochenende hin sehr lebhaft und viele Restaurants haben draußen Tische aufgestellt.

Besonders gut gefallen uns die blaue Moschee und der Cascaden-Komplex. Rund um die große Treppenanlage gibt es jede Menge moderne Kunst, viele Plastiken und Skulpturen.
Abends besuchen wir -mal ohne die kleine Gruppe- die Weinbar Vine Republik und trinken einen sehr guten armenischen Rotwein aus dem Jahr 2022.
Samstag, 16.05.3926 Jerevan - Chor Virap - Noravank
Heute besuchen wir das am Fuße des Ararat gelegene Kloster Chor Virab, das nahe der türkischen Grenze liegt. Das Kloster ist eng mit der Christianisierung Armeniens verbunden.

Das tolle Fotomotiv mit dem Ararat im Hintergrund bleibt uns aufgrund der Bewölkung leider verwehrt. Chor Virap ist nicht nur wegen seiner Aussicht bekannt, sondern auch wegen seiner historischen Bedeutung für Armenien. Berühmt wurde das Kloster durch die Geschichte von Gregor dem Erleuchter, der eine entscheidende Rolle bei der Christianisierung Armeniens spielte.
Sehr interessant ist auch der daneben liegende Friedhof. Auf den Grabsteinen sind Fotografien der Verstorbenen angebracht.
Spektakulär ist unser nächstes Ziel. Das Kloster Noravank aus dem 13. Jh. gilt als eines der schönsten und bedeutendsten Klöster Armeniens. Es liegt in einer engen Schlucht und wird von hohen roten Felsen eingerahmt.

Die Architektur von Noravank gilt als Meisterwerk der armenischen Baukunst mit fein gearbeiteten Reliefs biblischer Szenen, Ornamenten und Heiligenfiguren sowie kunstvollen Kreuzsteinen.
Auf einem Weingut genießen wir anschließend ein tolles Barbecue und hier angebauten Wein.
Nicht weit vom Kloster Noravank entfernt liegt die berühmte Areni-1-Höhle. Die Höhle wurde erst in den letzten Jahrzehnten intensiv erforscht und gilt heute als eine der bedeutendsten archäologischen Fundstätten Armeniens. Im Jahr 2008 entdeckten Archäologen dort einen hervorragend erhaltenen Lederschuh, der etwa 5.500 Jahre alt ist.
Anschließend fahren wir zum Tushpa Wine Cellar. Nach einer kurzen Führung durch den Weinkeller durften wir die Weine probieren. Die Weine schmecken uns sehr gut. Außerdem wird hier auch Cognac produziert.

Anschließend haben wir einen tollen Blick auf den wolkenfreien Ararat und den kleinen Ararat.
Abends schlendern wir durch die heute sehr lebhafte Altstadt von Jerevan. In der Weinbar Urban Gastro & Wine Bar trinken wir einen armenischen Rosé und sind sehr begeistert. Anschließend schlendern wir noch etwas durch die Fußgängerzone. Auf dem Platz der Republik findet ein Musikfestival statt. Die Stadt ist voll mit jungen Leuten und guter Stimmung. Auffällig ist, dass sehr viele sehr teure Autos, insbesondere deutscher Luxusmarken, durch die Stadt fahren, es gibt mehr Auto-Poser als bei uns. Woher haben die das Geld bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von ca. 800 Euro?
Sonntag, 17.05.2026 Jerevan - Zvartnots - Etschmiadzin
Der heutige Tag gilt einigen UNESCO Weltkulturerbestätten im Umland von Jerevan.
Malerisch liegen die Ruinen der Palastkirche Zvartnots aus dem 7. Jahrhundert (UNESCO-Weltkulturerbe) vor der Bergsilhouette des Ararat.

Bemerkenswert ist die runde Architektur der ehemaligen Kathedrale aus fein verzierten Steinreliefs. Anhand einer Zeichnung lässt sich die ursprüngliche Architektur gut nachvollziehen. Sehr schön erhebt sich wieder einmal im Hintergrund der wolkenfreie Berg Ararat, ein Postkartenmotiv, mit dem das Land in seinen Broschüren wirbt.
Anschließend fahren wir zur Ripsime-Kirche in Vagharshapat und besichtigen eine typische armenische Kuppelkirche aus massiven Tuffsteinen. Sie wurde im Jahr 618 erbaut und gilt als eines der wichtigsten Beispiele früharmenischer Kirchenarchitektur (UNESCO-Weltkulturerbe).

Die Kirche ist der heiligen Hripsime gewidmet, einer christlichen Märtyrerin. Der Legende nach floh sie aus Rom nach Armenien und wurde dort wegen ihres Glaubens getötet. Ihr Tod spielte später eine wichtige Rolle bei der Christianisierung Armeniens.

Nicht weit entfernt liegt die Kathedrale von Etschmiadsin, dem religiösen Zentrum der armenisch-apostolischen Kirche. Die Anlage gehört zu den ältesten christlichen Kathedralen der Welt. Der ursprüngliche Bau stammt aus dem 4. Jahrhundert. (UNESCO-Weltkulturerbe.)
Vergleichbar ist die Anlage aus unserer Sicht mit dem Vatikan in Rom. Es gibt ein Kloster, ein Priesterseminar, diverse Kirchen und jede Menge zum Teil sehr alte armenische Kreuzsteine.
Wir haben die Gelegenheit, einen armenischen Gottesdienst in der Hauptkathedrale zu besuchen. Ein sehr authentisches Erlebnis mit einem Frauen-Chor, einer Prozession, um den Katholikus (Kirchenoberhaupt) abzuholen, Weihrauch-Spenden und Segnungen. Ein tolles Erlebnis.
Anschließend steht das Armenian Genocide Memorial Complex auf unserem Programm. Das Denkmal wurde 1967 auf dem Hügel Tsitsernakaberd („Schwalbenfestung“) erbaut und erinnert an die Opfer des armenischen Genozids im Osmanischen Reich von 1915.

In der Architektur gibt es eine Menge Symbolik zu entdecken. Ein 44 m hoher Obelisk symbolisiert die Wiedergeburt und das Fortbestehen des armenischen Volkes.
Ein Kreis aus zwölf geneigten Steinblöcke stehen für verlorene armenische Provinzen im historischen Westarmenien. In deren Mitte brennt die „Ewige Flamme“ zum Gedenken an die Opfer. Außerdem gibt es eine Gedächtnismauer mit den Namen von Orten und Ereignissen im Zusammenhang mit Deportationen und Massakern.
In einem unterirdischen Museum wird anhand von historischen Fotos, Dokumenten und internationale Presseberichte sowie Zeugnisse von Überlebenden umfassend informiert, wir sind aber von den Massen an Informationen überfordert und lassen die Besichtigung aus.
Nachmittags besuchen wir die Nationalgalerie in Jerevan. Es gibt hauptsächlich Kunst von armenischen Künstlern, aber auch Rubens, Chagall und Kandinsky sind zu finden. Die Künstler sind beeinflusst von anderen namhaften Künstlern und haben häufig im Ausland gelebt. Eine toller Kunstgenuss!
Montag, 18.05.2026: Garni - Geghard - Sevan - Dilijan
Garni liegt nur etwa 40 Minuten von Jerevan entfernt. Hier besuchen wir heute den einstigen Sommersitz der armenischen Könige.

Berühmt ist das einzige im Kaukasus erhaltene Relikt hellenistischer Kultur, der Mithras-Tempel, der am Rande der malerischen Azat-Schlucht gelegen ist. Schön sind auch die Reste eines Badehauses mit Mosaiken.

Anschließend fahren wir in die Azat-Schlucht und haben die Gelegenheit, die mächtigen Basaltformationen mit hoch aufragenden Basaltsäulen, die teilweise an Orgelpfeifen erinnern, aus nächster Nähe zu erkunden.
Leider hat uns der Regen eingeholt. Nicht weit entfernt liegt am Ende einer Schlucht das Höhlenkloster Geghard. Dieses wurde teilweise in den Fels gehauen und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Besonders schön sind einige alte, direkt in den Fels gehauene Kreuzsteine. Ein Chor demonstrierte uns im Kuppelsaal die tolle Akustik, die Lieder sind alle sehr melancholisch.
Mittags essen wir in einem von Einheimischen betriebenen Restaurant in Garni. Hier wird uns vorgeführt, wie das armenische Lavash-Brot in einem unterirdischen Steinofen zubereitet wird.
Etwas länger dauert die Etappe an den Sevansee, einem der größten Hochgebirgsseen (auf ca. 1900 m Höhe) der Welt und äußert wichtig für Armeniens Wasserversorgung. Der „blaue See Armeniens“ (heute leider grau) wird von Gebirgszügen eingerahmt.

Auf der Halbinsel Sevan führt eine Treppe mit 232 Stufen hinauf zum Sevankloster (Sevanavank). Die schöne Aussicht bleibt uns aufgrund der dicken Wolkendecke leider verwehrt. Die Klosteranlage ist eher für ihre tolle Lage berühmt, sonst nicht weiter bemerkenswert.
Unser Tagesziel ist der Kurort Dilijan. Bei der Fahrt über den Sevanpass (ca. 2.130 m Höhe) haben wir schöne Ausblicke auf den Sevansee und die umliegenden Berge. Mit vielen Serpentinen geht es in die waldreiche Kurstadt im Dilijan National Park. Das Hotel liegt abseits der Stadt. So bekommen wir vom Ort selber nichts zu sehen.
Dienstag, 19.05.2026 Dilijan - Alaverdi - Grenze - Tiflis
Nördlich von Dilijan in einer wunderschönen Gebirgslandschaft liegt das Dorf Fioletovo. Die Zufahrtsstraße ist nicht ausgebaut. So erreichen wir gut durchgeschüttelt das Dorf, das auf etwa 1.700 m Höhe liegt. Bekannt ist das Dorf als das wichtigste Zentrum der Molokanen in Armenien.

Molokaner sind eine Minderheit russischer Abstammung, die ihre eigenen russischen Traditionen pflegt und sehr einfach von der Landwirtschaft lebt. Es sind im Wesentlichen alte Menschen, die dieses ärmliche Leben in typischen, meist weiß gestrichenen russischen Holzhäuser leben. Die Kinder leben in Russland und verbringen den Sommer hier.
Die Molokanen („Milchtrinker“, von russisch moloko) entstanden im 18. Jahrhundert im Russischen Reich als spirituelle christliche Bewegung außerhalb der russisch-orthodoxen Kirche. Viele wurden im 19. Jahrhundert in den Kaukasus umgesiedelt.
Bei einer molokanischen Familie bekommen wir Tee aus dem Samowar und typisches Gebäck serviert.
In Vanadzor besuchen wir einen Künstler, der armenische Kreuzsteine meißelt. Etwa einen Monat benötigt er für die Herstellung eines mittelgroßen Kreuzsteins. In der Werkstatt bekommen wir einen schönen Einblick in die künstlerische Handwerkskunst. Die armenischen Kreuzsteine gehören zum immateriellen UNESCO-Welterbe.
Zum Abschluss unseres Armenien-Aufenthalts warten noch zwei Highlights auf uns.
Schon allein die Landschaftseindrücke auf der Strecke zwischen Vanadzor und Alaverdi sind auch bei bewölktem Himmel fantastisch.

Hoch über dem Bergbauort Alaverdi liegen zwei der schönsten Klosteranlagen des Landes: Die Klöster Sanahin und Haghpat (UNESCO-Weltkulturerbe), die beide im Mittelalter wichtige Bildungsstätten waren. Sie bilden ein sich ergänzendes Ensemble, obgleich sie von der gewaltigen Debed-Schlucht getrennt werden.

Die Debed-Schlucht zieht sich entlang des Debed-Flusses zwischen Vanadzor und der georgischen Grenze bei Sadakhlo. Hier befindet sich der tiefste Punkt Armeniens, etwa 375–400 m über dem Meeresspiegel. Die umliegenden Hochflächen und Dörfer wie Dsegh liegen dagegen oft auf 1000–1300 m Höhe.
Sehr schön können wir die armenische mittelalterliche Architektur und filigrane Steinmetzkunst bewundern. Gegründet im 10. Jahrhundert war es einst das Zentrum mittelalterlicher Gelehrsamkeit.
Insbesondere in Haghpat gibt es Reste von Fresken und einige besondere Kreuzsteine zu sehen.
Alaverdi war eines der wichtigsten Kupferzentren der Sowjetunion. Heute sieht man Ruinen alter Fabriken und Industrieanlagen sowie sowjetische Wohnblöcke.
Nach der Besichtigung fahren wir zur armenisch-georgischen Grenze bei Sadachlo.
Ein letztes Mal können wir die schönen Landschaftsimpressionen genießen. Später verlassen wir die Hochgebirgsregion. Die städtischen Eindrücke sind eher ärmlich geprägt. Die Landschaft wird flacher. Der Grenzübergang in Sadachlo liegt nur noch etwa auf 450 m über NN.
Die Einreise erfolgt problemlos. Von Gaga, dem uns bereits bekannten Reiseleiter, werden wir abgeholt. Beinahe noch ärmlicher sind die ersten Eindrücke von Georgien. Bis zur Landeshauptstadt Tiflis fahren wir etwa anderthalb Stunden. In der westlich geprägten Stadt erwartet uns ein Verkehrschaos. Nun langsam nähern wir uns dem in der Nähe der Altstadt gelegenen Hotel.
Nach kurzer Pause fahren wir zum Essen abends in die Altstadt. Hier herrscht eine angenehme, lebhafte Stimmung.
Mittwoch, 20.05.2026 Tiflis
Bei strahlendem Sonnenschein steht heute die Stadtbesichtigung auf unserem Programm.

An der Metechi-Kirche (13. Jh.), die über dem Fluss Kura thront, haben wir einen ersten schönen Ausblick auf die Stadt. Einige futuristische Gebäude und die überglaste Fußgängerbrücke eines italienischen Architekten stechen ins Auge.
Mit der Seilbahn fahren wir zur Narikala-Festung (4. Jh.). Hier bewundern wir die imposante Statue der „Mutter Georgiens“ und genießen den Ausblick über die Stadt. Entlang der alten Stadtmauer steigen wir wieder hinab und erreichen die mittelalterlichen Schwefelbäder. Der Weg führt vorbei an der Synagoge, zur Sioni-Kathedrale, der Hauptkirche, mit dem Weinrebenkreuz der Heiligen Nino und einem wunderbar bemalten Inneren. Erwähnenswert ist ebenfalls die Antschischati-Kirche (6. Jh.), die älteste Kirche der Stadt. In ihrer Nähe steht ein bunter, künstlerisch verzierter Turm, der zum Marionettentheater gehört.
Mit dem Bus werden wir anschließend zum Georgischen Nationalmuseum gefahren, von der Führung durch die Schatzkammer mit herrlichen Goldschätzen aus mehreren Jahrtausenden sind wir absolut begeistert, völlig unerwartet, denn ansonsten können wir mit Goldschmuck eigentlich nicht viel anfangen.
Vom Hotel aus schlendern wir abends auf den Elias-Hügel im historischen Stadtteil Awlabari. Hier steht die neue Sameba-Kathedrale (Kathedrale der Heiligen Dreifaltigkeit).

Sie ist die Hauptkirche der georgisch-orthodoxen Kirche und gehört zu den größten orthodoxen Bauwerken der Welt und wurde 2004 eingeweiht. Das Bauwerk ist mit dem Turm insgesamt 105 Meter hoch. Der Innenraum bietet Platz für bis zu 10.000 Menschen. Der Komplex vereint verschiedene traditionelle georgische Baustile und wird von einer markanten, weithin sichtbaren goldenen Kuppel gekrönt. Wir haben das Glück, an einer Zeremonie teilzuhaben und können so erleben, wie in Georgien der Gottesdienst gefeiert wird. Der größte Unterschied ist, dass es keine Sitzgelegenheiten für die Betenden gibt.
Donnerstag, 21.05.2026: Signagi - Kvareli (Kachetien)
Heute steht eine Ausflug in die Region Kachetien an. Erstes Ziel ist der kleine Ort Signagi. Von einem Aussichtspunkt haben wir zunächst einen Blick auf die auf einem Hügel thronende kleine Stadt und die Reste der ehemaligen Stadtmauer.

Eine vier Kilometer lange Doppelmauer mit 28 Toren und vielen Türmen hat die Stadt einst eingefasst. Ein Teil der Mauer ist heute noch begehbar. In der Ferne sind die schneebedeckten Gipfel des Kaukasus-Gebirges zu sehen. In der Stadt leben heute noch rund 1.000 Menschen. Es gibt einige renovierte Häuser im klassischen-süditalienischen Stil mit typisch georgischen Elementen zu sehen. Das schönste ist sicherlich die Lage des Ortes. Der für seine naive Malerei bekannte georgische Künstler Niko Pirosmani kommt von hier, der immerhin 2023 in der Fondation Beyeler ausgestellt wurde.
Auf dem Land bei Kvareli besuchen wir eine einheimische Familie. Vor dem Mittagessen werden wir in die Herstellung der georgischen Süßigkeit Tschurtschchela-Nüsse eingeführt, wobei an einer Schnur aufgereihte Walnüsse in eingedickten Traubensaft getunkt werden und dann zum Trocknen aufgehängt werden.
Die Region Kachetien ist für seinen Weinanbau bekannt. Etwas Besonderes ist die Besichtigung des Weinkellers Martali in Shashani. Der Wein wird hier noch nach traditioneller georgischer Herstellung in unterirdisch vergrabenen Tonkrügen („kvevri“) ausgebaut, ein deutscher Winzer arbeit hier mit der georgischen Familie seiner Frau zusammen.
Es ist ein kleines Bio-Weingut, das Naturweine mit sehr viel manueller Arbeit produziert. Wir probieren einen Weiß-und zwei Rotweine, wobei der süße Rotwein ein besonderer Genuss ist, ein toller Dessertwein. Von den Rotweinen nehmen wir je eine Flasche mit nach Hause.
Freitag, 22.05.2026: Mzcheta - Uplisziche - Gori
Von Tiflis aus fahren wir in die alte Haupstadt Mzcheta, dem religiösen Zentrums Georgiens (UNESCO Welterbe).

Auf einem Hügel über dem Fluss liegt die Dschwari-Kirche (6.Jh.). Leider ist vom Innenraum nicht viel zu sehen, da er aktuell restauriert wird. Erwähnenswert ist der steinerne Sockel, auf dem das erste Kreuz stand und den Standort für den ersten Kirchenbau bestimmte.

In Mzcheta besichtigen wir die Swetizchoveli-Kathedrale (11.Jh.). Einer Sage nach befindet sich der Leibrock Christi unter einem farbenfroh bemalten Sockel. Die Kathedrale wird von einer Festungsmauer umgeben, um Plünderer abzuhalten. An der Außenfassade gibt es einige symbolhafte Reliefs, doch das besondere ist der Innenraum. Reste einiger Fresken sind noch zu erkennen. Diese Kirche strahlt eine ganz besondere Atmosphäre aus und gefällt uns ausgesprochen gut.
Weiter geht es zur Besichtigung wieder einer Höhlenstadt namens Uplistsikhe aus dem 1. Jh. v. Chr.. Sie liegt an der ehemaligen Seidenstraße, etwa 80 km westlich von Tiflis in der Nähe von Gori.

Der Name „Uplistsikhe“ bedeutet ungefähr „Festung des Herrn“. Die Stadt war vor der Christianisierung Georgiens ein wichtiges religiöses und politisches Zentrum. Die Ursprünge liegen rund 3.000 Jahre zurück. Die Stadtstruktur mit mehreren “Straßen”, einem Theater und verschiedenen Palästen ist noch halbwegs gut nachzuvollziehen.
Von oben hat man eine schöne Aussicht auf das Tal und den Fluss Mtkwari.
Ganz in der Nähe in der Kartli-Region liegt die Stadt Gori, bekannt als Geburtsstadt von Josef Stalin. Aktuell ist lediglich das Geburtshaus, in dem die Familie vier Jahre gelebt hat, von außen zu sehen. Das Haus ist Bestandteil des Stalin-Museums, das aber wegen Renovierung geschlossen ist. Nur ein alter Eisenbahnwaggon, mit dem er immer gereist ist (er hatte Flugangst), ist zu sehen.
Zurück in Tiflis gibt es noch ein gemeinsames Abendessen. Damit geht unsere wunderschöne Reise zu Ende.
Fazit:
Die beiden Länder Armenien und Georgien sind sich schon recht ähnlich, beides christlich-orthodoxe Länder mit langer Tradition, beide waren Teil der Sowjetunion, beide haben sich ihren Stolz bewahrt, beide sind Gebirgsländer, aber mit Zugang zum Schwarzen Meer. Und beide haben ähnliche Traditionen und eine ähnliche Küche. Wir haben meistens zur Vorspeise einen Tomaten-Gurken-Salat sowie selbst gebackenes Brot und verschiedene Pasten oder kalte Gemüsespeisen bekommen. Zur Hauptspeise gab es Fleisch (Rind, Kalb, Schwein, selten Lamm) mit Kartoffeln in verschiedener Zubereitung und als Dessert oft einfach frisches Obst oder ein paar Backwaren. Beide Länder haben eine alte Weinkultur, auf die man auch heute noch stolz ist und wo wir wirklich interessante Weine kosten durften. Die kirchliche Architektur unterscheidet sich etwas in den Bauformen und den Kreuzen. Leider waren wir nicht im Hohen Kaukasus, von den angepriesenen, wunderbaren Wandermöglichkeiten haben wir aufgrund der Art unserer Reise in einer Gruppe nichts mitbekommen. Beide Länder sind sehr sehenswert sowohl für Kultur- als auch für Naturbegeisterte, wir haben uns überall sicher gefühlt und wurden von den Menschen sehr freundlich empfangen.
Letzte Aktualisierung: Mai 2026 - © Anke Schlingemann und Detlef Hälker