Toskana & mehr
Italien-Reise
Toskana - Umbrien - Latium - Marken - Emilia-Romagna
Reiseeindrücke Mai / Juni 2026
Freitag, 29.05.2026 Locarno - Lago Maggiore
Auf der Fahrt in die Toskana legen wir einen Zwischenstopp am Lago Maggiore ein. Locarno liegt im Schweizer Kanton Tessin am Nordufer des Lago Maggiore und zählt zu den sonnigsten Orten der Schweiz. Die Stadt verbindet italienisches Flair mit Schweizer Ordnung – Palmen am See, mediterrane Architektur und alpine Berglandschaften.

Besonders bekannt ist die Stadt durch den sogenannten Frieden von Locarno von 1925: internationale Verträge zwischen europäischen Staaten nach dem Ersten Weltkrieg, die zur Stabilisierung Europas beitragen sollten. Dieses Ereignis machte die Stadt weltweit bekannt.
Der zentrale Piazza Grande entstand über Jahrhunderte als Handels- und Marktplatz. Heute befinden sich unter den langen Arkaden bunte Häuserfassaden, Cafés, Restaurants und kleine Geschäfte.
Mit der alten Standseilbahn fahren wir auf den Hausberg von Locarno zur Wallfahrtskirche Madonna del Sasso. Oben hat man einen schönen Blick über die Dächer Locarnos, den See und die umliegenden Berge. Die Wallfahrtskirche entstand nach einer Marienerscheinung im Jahr 1480. Sie wurde auf einem Felsen oberhalb der Stadt gebaut und entwickelte sich zu einem der wichtigsten religiösen Orte im Tessin.
Das Castello Visconteo, eine mittelalterliche Burg, sehen wir nur von außen.
Samstag, 30.05.2026 Greve in Chianti
Unser im Voraus für eine Woche gebuchtes Domizil, das ‘Farmhouse Il Santo’ in Greve in Chianti, liegt wunderbar mitten in einer typisch toskanischen Landschaft. Nach staureicher Anreise erfreuen wir uns an der Abkühlung im Pool und am Ausblick hieraus in die Umgebung.
Greve in Chianti gilt als eines der Tore zum Chianti Classico-Gebiet und liegt zwischen Florenz und Siena an der berühmten Chiantigiana-Straße (SR 222). Weinberge und Olivenhaine umgeben die Stadt.

Sehr gut gefällt uns die zentrale dreieckige Piazza Matteotti, die von Arkaden eingerahmt wird. Werkstätten, Weinläden sowie Geschäfte mit lokalem Kunsthandwerk und gastronomischen Produkten, Bistros und Restaurants säumen die Arkaden. An der Südseite befindet sich die Kirche Santa Croce. Abends speisen wir dort passabel im Restaurant Caffe le Logge und genießen den regionalen Chianti Classico von einem nur zwei Kilometer entfernt liegenden Weinberg.
Sonntag, 31.05.2026 Greve - Montefioralle
Vom Quartier aus starten wir eine tolle Wanderung über Greve nach Montefioralle und genießen wunderschöne Ausblicke auf die Chianti-Region mit zahlreichen Weinbergen, Olivenhainen und dem majestätisch thronenden Ort Montefioralle. Dieser liegt hoch über Greve. Das mittelalterliche Dorf gilt als eines der schönsten historischen Dörfer Italiens. Der Ort ist von der mittelalterlichen Stadtmauer umgeben und hat seine kompakte Struktur aus Steinhäusern und -straßen bewahrt.

Wir passieren das Stadttor und schlendern durch die engen, gepflasterten Gassen. Der Ort hat einen besonderen Charme, auch wenn man nach 10 Minuten alles gesehen hat. Mit schönen weiteren Landschaftseindrücken setzen wir die Wanderung fort.
Zurück in Greve stärken wir uns in einem Restaurant wieder am Piazza Matteotti und genießen das bunte Treiben.
In der Nähe unseres Quartiers liegt der Friedhof der Stadt Greve. Die Gräber unterscheiden sich sehr von der Bestattungskultur in Deutschland. Oft werden Fotos der Verstorbenen am Grabstein angebracht. Die Steingräber sind zum Teil gar nicht geschmückt oder mit wetterfestem Blumenschmuck versehen. Es gibt nur wenige Bepflanzungen.
Den Nachmittag verbringen wir am Pool und genießen den Blick in die toskanische Landschaft. Auch beim selbst gekochten Abendessen auf unserer Terrasse erfreuen wir uns an der Landschaft.
Montag, 02.06.2026 Siena
Bei wolkenverhangenem Himmel machen wir einen Ausflug nach Siena (etwa 53.000 Einwohner). Von unseren Reisen 1996 und 2006 ist uns die Stadt noch gut bekannt und auch auf viele Touristen haben wir uns eingestellt. Mit etwas Glück finden wir noch einen Parkplatz am eindrucksvollen Stadttor Porta Romano.

Wenig touristisch beginnen wir unseren Rundgang mit der Kirche Santa Maria dei Servi. Wegen der Marientafel von Coppo di Marcovaldo wurde die Kirche von unserem alten Dumont Kunstführer besonders erwähnt. Von der nebenliegenden Terrasse haben wir einen schönen Ausblick auf die Silhouette der Altstadt von Siena, aus der der Campanile und der 88 Meter hohe Torre del Mangia des Palazzo Pubblico herausragen.
Wir schlendern durch die Altstadtgassen und nähern uns dem Piazza del Campo.

Die gesamte Altstadt ist ein perfekt erhaltenes mittelalterliches Ensemble und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Den muschelförmige Piazza del Campo finden wir erneut beeindruckend. Er zählt zu Recht zu den schönsten Plätzen Italiens. Hier findet auch das legendäre Pferderennen Palio di Siena statt. Rundherum liegen Cafés und historische Gebäude.
Schon bald stehen wir vor dem Dom und sind von der atemberaubenden Fassade erneut begeistert. Für eine ausführliche Besichtigung kaufen wir für 16 € den OPA SI Pass, mit dem wir sowohl den Dom, als auch die Krypta, das Baptisterium sowie das Museo dell’Opera inkl. Facciatone-Aussichtspunkt besichtigen können.

Der Dom von Siena (Santa Maria Assunta) mit seiner schwarz-weiß gestreifte Marmorfassade ist ein Meisterwerk der italienischen Gotik. Zu den Highlights im Inneren zählen der einzigartige (größtenteils abgeklebte) Mosaikboden aus Marmor sowie die mit Fresken geschmückte Piccolomini-Bibliothek. Eindrucksvoll ist auch die Kanzel und die Kunstwerke von bedeutenden Renaissance-Künstlern. Ganz begeistert sind wir von der Krypta, die erst 1999 wiederentdeckt wurde und außergewöhnlich gut erhaltenen Fresken aus dem 13. Jahrhundert zeigt. Auch dem Dommuseum (Museo dell’Opera del Duomo) statten wir einen Besuch ab. Es beherbergt originale Kunstwerke, die früher im Dom standen, wie die berühmte ‘Maestà’ von Duccio di Buoninsegna.
Vom Museum gelangt man auch zum Aussichtspunkt Facciatone, der unvollendeten Fassade eines geplanten Erweiterungsbaus des Doms. Im 14. Jahrhundert wollte Siena den größten Dom der Christenheit bauen. Nach der Pest von 1348 und finanziellen Problemen wurden die Arbeiten jedoch eingestellt. Übrig blieb diese monumentale Außenwand – der heutige Facciatone. Auf der schmalen Mauer ist wenig Platz, so dass der Zugang limitiert ist und wir Schlange stehen müssen. Als wir endlich den Panoramablick über die Altstadt von Siena genießen dürfen, regnet es in Strömen. Pech gehabt! Aber irgendwie hat der Ausblick dennoch einen gewissen Reiz.
Den starken Regenguss und das Gewitter warten wir unter der Markise einer Bar am Piazza del Campo ab, bevor wir uns auf den Rückweg machen. So völlig menschenleer ist der Platz vermutlich selten.
Dienstag, 02.06.2026 Volpaia - Radda - Panzano
Von Radda klettert eine kurvenreiche Straße hinauf nach Volpaia. Das mittelalterliche Dorf liegt etwa 5 km nördlich von Radda auf knapp 600 Metern Höhe. Ein Teil der Befestigungsmauer ist noch erhalten und malerische Steinhäuser schmücken den Ort. Ein schöner Ausgangspunkt für eine Wanderung mit tollen Chianti-Impressionen.
In dem kleinen Ort Volpaia stärken wir uns mittags in der Bar Ucci. Authentische und preiswerte italienische Küche.
Anschließend fahren wir nach Radda und erkunden den mittelalterlichen Ortskern. Der Ort wirkt eher touristisch. Von der gut erhaltenen Stadtmauer hat man eine schöne Aussicht auf die umliegenden Weinberge. Der Ort hat ein paar kleine Geschäfte, Weinbars und Restaurants, man muss ihn aber nicht unbedingt besuchen.
Als nächstes schauen wir uns den kleinen Ort Panzano an, der schön über den Weinbergen liegt, aber nicht besonders sehenswert ist..
Mittwoch, 03.06.2026 Arezzo - Loro Ciuffenna
Unser letzter Arezzo-Besuch vor 30 Jahren war eher nur eine Stippvisite. Gut in Erinnerung haben wir noch die trapezförmige Piazza Grande. Das Herz der Altstadt wird von mittelalterlichen Palästen und Renaissance-Arkaden.
Wir parken an der Piazza Popolo in der Nähe der Basilica di San Francesco. Leider hat diese Kirche ungewöhnlicherweise mittwochs geschlossen, so dass wir den berühmten Freskenzyklus „Die Legende vom Wahren Kreuz“ von Piero della Francesca nicht ansehen können. Sehr schade! Dieser Zyklus gilt als eines der bedeutendsten Werke der italienischen Renaissance.
Dafür begeistert uns die gotische Kathedrale San Donato auf dem höchsten Punkt der Altstadt. Die Decke ist wunderschön bemalt. Etwas Besonderes ist der marmorne Arca di San Donato, der die Reliquien des Stadtpatrons beherbergt. Das kunstvolle Grabmonument aus Marmor wurde im 14. Jahrhundert geschaffen und ist reich mit Reliefs, Figuren und gotischen Verzierungen geschmückt. Dargestellt sind Szenen aus dem Leben des heiligen Donatus sowie weitere Heilige und Engel. Erwähnenswert sind außerdem das Fresko der Maria Magdalena von Piero della Francesca aus dem 15. Jahrhundert sowie die farbenprächtigen Glasfenster von Guillaume de Marcillat.
Bei einer kleinen Stärkung genießen wir noch einmal die Piazza Grande.
Historische Paläste, mittelalterliche Bürgerhäuser und Geschlechtertürme rahmen den Platz ein. Die elegante Arkadenreihe (Vasari-Loggia) an der Nordseite wurde von Giorgio Vasari entworfen.
Die Kirche Santa Maria della Pieve grenzt ebenfalls an den Platz (leider zum Teil eingerüstet). Die romanische Kirche ist eines der ältesten Bauwerke der Stadt. Beeindruckend ist die (fotografisch schwer einzufangen) säulenverzierte Westfassade, die aus mehreren Arkadenreihen mit unterschiedlich gestalteten Säulen besteht. Fast jede Säule und jedes Kapitell ist individuell verziert. Sie ist ein Meisterwerk der romanischen Architektur des 12. Jahrhunderts.
Der markante Glockenturm wird oft „Campanile delle Cento Buche“ („Turm der hundert Löcher“) genannt. Im Inneren ist die Kirche Santa Maria della Pieve eher schlicht. Eindrucksvoll sind aber die Säulen mit kunstvoll gearbeiteten Kapitellen (mit einigen eingearbeiteten Köpfen).

Auf der Rückfahrt sehen wir uns noch den kleinen Ort Loro Ciuffenna an. Er zählt zu den schönsten kleinen Orten der Toskana und gehört zur Vereinigung I Borghi più belli d’Italia („Die schönsten Dörfer Italiens“). In der Altstadt schlendern wir durch enge mittelalterliche, mit Steinhäusern eingerahmte Gassen. Das Wahrzeichen des Ortes ist die alte Steinbrücke über die Schlucht des Baches Ciuffenna. Direkt darunter stürzt das Wasser sehr fotogen durch eine enge Felsschlucht. Die historische Wassermühle, eine der ältesten noch erhaltenen Wassermühlen der Toskana, können wir nur vom anderen Ufer betrachten. Ein schöner Zwischenstopp ganz ohne touristischen Rummel.
Donnerstag, 04.06.2026 Lucca
Mit Lucca verbinden wir etwas ganz Besonderes, denn vor 30 Jahren sind wir in Lucca zusammengekommen. Vor 20 Jahren haben wir die Stadt noch einmal besucht und auch nach 30 Jahren sind wir wieder genauso begeistert von dieser Stadt.

Wir parken an der Stadtmauer (Par Carducci) und erklimmen die Mauer. Die vier Kilometer lange, vollständig erhaltene Stadtmauer aus dem 16./17. Jahrhundert ist das Wahrzeichen der Stadt. Oben verläuft ein breiter Spazier- und Radweg mit tollen Ausblicken auf die Stadt. Diesmal entdecken wir einige unterirdische Gänge, die uns in die Altstadt führen.

Staunend stehen wir erneut vor dem Duomo di San Martino. Die weiss-grüne verzierte Marmorfassade ist beeindruckend. Diesmal buchen wir das Kombi-Ticket und steigen die 217 auf den Glockenturm. Mit einem fantastischen Ausblick über die Dächer von Lucca und ihren vielen Türmen werden wir belohnt. Im Inneren befinden sich einige besondere Kunstwerke, darunter das letzte Abendmahl von Tintoretto.
Später besuchen wir noch die gegenüberliegende Chiesa dei Santi Giovanni e Reparata (im Kombiticket erhalten). Vom Turm (129 Stufen) lohnt sich der Blick auf den Dom.
Auch sehenswert sind die archäologischen Ausgrabungen unter der Kirche. Zu sehen sind Überreste aus der Römerzeit, frühchristliche Mosaike und mehrere Bauphasen der Kirche.
Erneut begeistert uns die Piazza dell’Anfiteatro, die in ihrer Form an das ehemalige römische Amphitheater erinnert, das hier früher mal war. Schön, um in einem der vielen Cafés eine Erfrischung zu sich zu nehmen und das bunte Treiben zu beobachten.
Auf unserem weiteren Rundgang durch die engen Gassen der Altstadt entdecken wir noch weitere schöne Gebäude, Kirchen und Fassaden. Lucca ist weniger touristisch als etwa Florenz und einfach nur schön. Zu unserem Jahrestag speisen wir abends traditionell italienisch in dem vom Michelin empfohlenen Ristorante All'Olivo, den Apero hatten wir vorher in einer der zahlreichen netten Weinbars in der Altstadt.
Freitag, 05.06.2026 Abtei Badia a Passignano
Auf einer Wanderung von der Abtei Badia a Passignano genießen wir heute erneut sehr schöne Chianti-Eindrücke. Die Klosteranlage liegt inmitten der toskanischen Hügellandschaft umgeben von Weinbergen.
Anschließend schauen wir uns kurz die Abtei an. Die Anlage stammt im Wesentlichen aus dem 15. und 16. Jahrhundert und ähnelt eher einer mittelalterlichen Burg. Die Klosterkirche San Michele Arcangelo wurde ab 1266 erbaut und ist umfangreich freskiert. Es gibt einen schönen hölzernen Lettner und ein Chorgestühl.
Nachmittags genießen wir eine Siesta und eine Abkühlung im Pool, bevor wir abends zum Abschluss unseres Greve-Aufenthaltes noch einmal durch die Altstadt schlendern und unser Abendessen mit Blick auf den tollen Piazza Matteotti im Ristorante la Bottega del Moro genießen.
Samstag, 06.06.2026 Il Giardino dei Tarocchi - Tarot Garten bei Capalbio
Mit schönen Landschaftseindrücken und einer kurzen Weinprobe bei Castellare di Castellina in eben Castellina verlassen wir das Chianti.
Mittags erreichen wir die Riviera. Eingebettet in Dünen und schattigen Pinienwäldern direkt am Meer liegt das Singita Miracle Beach - Argentario. Eigentlich ist es ein Beach Club, für uns aber ideal, um in schöner Atmosphäre ein wenig das Meer zu genießen und eine Kleinigkeit zu essen.
Anschließend geht es weiter nach Capalbio, wo wir (endlich) Tickets für den Giardino dei Tarocchi (Tarot Garten) haben.
Die französisch-amerikanische Künstlerin Niki de Saint Phalle wurde 1955 durch den Park Güell von Antoni Gaudi in Barcelona inspiriert. 24 Jahre später begann sie mit dem Bau des Tarot-Gartens. Von 1978 bis zu ihrem Tode in 2002 kreierte sie einen riesigen Skulpturenpark.

Von den wunderschönen Skulpturen sind wir ganz begeistert. Schön zu sehen, dass der Skulpturenpark in einem sehr gepflegten Zustand ist, auch wenn nicht mehr jede Figur erklommen werden darf.
In Capalbio haben wir uns wie vor vier Jahren (als der spontane Besuch des Tarot Gartens leider nicht geklappt hat) in das Agriturismo Il Portico eingemietet.
Nachmittags fahren wir noch einmal ans Meer. In der Nähe des Naturschutzgebietes Lago di Brunano gibt es einen kleinen Strandabschnitt. Hier genießen wir bei einem Glas Weißwein den Blick aufs Meer und die Halbinsel Monte Argentario.
Capalbio, den charmanten Ort rund um eine Festung auf einem Hügel gelegen, haben wir noch in guter Erinnerung. Das Herzstück des alten Capalbio ist die hoch aufragende Rocca Aldobrandesca aus dem 13. Jh. Der mittelalterliche Ort wird vom Turm der Burg überragt und von einem Wehrgang und einer Stadtmauer eingefasst. Mit einem fantastischen Blick aufs Meer und die toskanische Landschaft speisen wir abends Pasta & Wein.
Sonntag, 07.06.2026 Capalbio - Nekropolen von Cerveteri - Tivoli
Heute verlassen wir die Toskana. Weiter geht es ins südlich angrenzende Latium.
Cerveteri erreichen wir nach etwa einer Stunde. Hier besichtigen wir die Banditaccia-Nekropole, eine der beeindruckendsten archäologischen Stätten Italiens. Besonders erfreulich: Am heutigen Sonntag ist der Eintritt frei. Schon beim Betreten dieses außergewöhnlichen Ortes fühlt man sich in eine längst vergangene Welt versetzt. Die Banditaccia-Nekropole gehört zum UNESCO-Welterbe und zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen der etruskischen Kultur.
Die große Totenstadt umfasst Tausende von Gräbern, die wie eine echte Siedlung angeordnet sind – mit Straßen, Plätzen und regelrechten Wohnvierteln. Nicht ohne Grund wird sie oft als „Stadt der Toten“ bezeichnet. Die Grabanlagen entstanden zwischen dem 9. und 1. Jahrhundert v. Chr. und eröffnen faszinierende Einblicke in das Leben, die Traditionen und den Glauben der Etrusker.
Gemeinsam mit den Nekropolen von Tarquinia wurden die Gräber von Cerveteri im Jahr 2004 unter dem Titel „Etruskische Nekropolen von Cerveteri und Tarquinia“ in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Besonders eindrucksvoll sind die großen Tumuli – monumentale Grabhügel, die wie Wohnhäuser gestaltet wurden und die enge Verbindung der Etrusker zwischen Leben und Jenseits widerspiegeln.

Ein absolutes Highlight ist die berühmte Tomba dei Rilievi. Ihre Wände sind mit plastischen Darstellungen von Waffen, Werkzeugen und zahlreichen Alltagsgegenständen geschmückt. Kaum ein anderer Ort vermittelt ein so lebendiges und detailliertes Bild des etruskischen Alltags.

Das Castello Orsini-Odescalchi, eine in Bracciano am Meer liegende, zum Schloss ausgebaute Burg ist sonntags leider nicht zu besichtigen. In Marina di San Nicola haben wir vom Strand aus immerhin einen Blick auf die Burganlage und genießen ein wenig den Meerblick und das bunte Treiben am Strand, bevor es nachmittags weiter nach Tivoli geht.
Die Villa d’Este in Tivoli, östlich von Rom, gehört zu den berühmtesten Renaissance-Villen Italiens und ist ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe. Am heutigen ersten Sonntag im Monat ist auch hier der Eintritt kostenlos.

Das Besondere sind die prachtvollen Terrassengärten mit Hunderten von Brunnen, Wasserfällen und Grotten - ein Meisterwerk der Renaissance-Gartenkunst. Sehenswert sind der Neptunbrunnen, die „Hundert Brunnen“ und der Orgelbrunnen, dessen wasserbetriebene Orgel eine technische Meisterleistung ihrer Zeit war. Die Räume der Villa sind mit zahlreichen Decken- und Wandmalereien ausgestattet, diese jedoch aus unserer Sicht weniger künstlerisch hochwertig.
Nach einer Siesta besuchen wir abends erneut die Altstadt von Tivoli. Von der Terrasse des Bistros ‘Terrazza Gregoriana’ haben wir einen tollen Ausblick auf den runden römischen Tempel der Vesta (aus dem 1. Jh. v. Chr.) oberhalb der Schlucht des Flusses Aniene.

Anschließend schlendern wir durch die engen mittelalterlichen Gassen, vorbei an kleinen Plätzen, alten Palazzi und Aussichtspunkten. Markant ist die Rocca Pia, eine imposante Festung aus dem 15. Jahrhundert. Schön auch die historische Brücke ‘Ponte Gregoriano’ mit schönen Ausblicken auf die Schlucht des Flusses Aniene und die umliegenden Landschaften.
Montag, 08.06.2026 Tivoli (Latium) - Villa Adriana - Perugia (Umbrien)
Ein weiteres unvergessliches Highlight in Tivoli ist die Villa Adriana. Schon beim Betreten wird deutlich, dass dies weit mehr als eine gewöhnliche Villa war: Kaiser Hadrian ließ hier zwischen 118 und 138 n. Chr. eine gewaltige Residenz erschaffen, die eher einer eigenen Stadt als einer Sommerresidenz gleicht.
Während wir durch die weitläufige Anlage schlendern, begegnen uns die Überreste prachtvoller Paläste, stiller Bibliotheken, imposanter Thermen, römischer Tempel, Theater sowie kunstvoll angelegter Gärten und Wasserbecken.

1999 wurde die Villa Adriana zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Die Anlage gilt als Hadrians persönliche „ideale Stadt“ und vereint Eindrücke seiner Reisen durch das Römische Reich. Griechische Eleganz, ägyptische Mystik und römische Ingenieurskunst verschmelzen hier zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk.
Trotz der sommerlichen Temperaturen genießen wir es sehr, das riesige Areal zu erkunden und uns vorzustellen, wie das Leben seinerzeit hier ausgesehen hat. Die Anzahl an Touristen war am heutigen Montag sehr überschaubar, eine Wohltat.

Weiter geht es nach Umbrien mit dem Ziel Perugia, wo wir ebenfalls vor 30 Jahren schon einmal waren. Erneut parken wir im Parkhaus Parcheggio Saba Piazza Partigiani und fahren über Rolltreppen in die Altstadt, die auf einem Hügel liegt. Dabei passieren wir die Unterstadt.

Die unterirdische Festungsanlage Rocca Paolina ist ein besonderes Erlebnis – ein ganzes Netz von Straßen und Räumen unter der heutigen Stadt.
Die Altstadt von Perugia liegt auf einem Hügel und bietet schöne Ausblicke über die umbrische Landschaft. Viele schöne Fassaden wie beispielsweise die der Galleria Nazionale dell’Umbria begeistern uns erneut. Von hier blickt man zur zentralen Piazza IV Novembre, dem Herz der Stadt, die von schönen Fassaden eingerahmt wird. Die fantastische Fontana Maggiore auf dem Platz beeindruckt uns erneut.

Wir schlendern durch die engen Altstadtgasse. Vom Torre degli Sciri, dem einzigen erhaltenen mittelalterlichen Wohnturm der Stadt, genießen wir einen tollen Panoramablick über die Dächer von Perugia und die umbrische Landschaft.
Es hat uns sehr gut gefallen, nach so vielen Jahren noch einmal mit etwas mehr Zeit durch die Stadt zu schlendern, einiges wieder und anderes neu zu entdecken.
Dienstag, 09.06.2026 Urbino
Heute tauchen wir in die faszinierende Welt der Renaissance ein und besuchen das historische Zentrum von Urbino, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und als eines der am besten erhaltenen Beispiele einer Renaissance-Stadt gilt. Unser erster Weg führt uns zur Fortezza Albornoz.

Von hier oben genießen wir einen fantastischen Blick über die Dächer Urbinos. Die terrrakottafarbenen Häuser schmiegen sich dicht aneinander, dazwischen ragen Türme und Kuppeln empor. Für einen Moment lassen wir den Blick über die Stadt und die umliegenden Hügel schweifen – ein wunderbarer Auftakt für unseren Rundgang.
Mit einem Kombiticket besuchen wir anschließend zwei der kleinen Oratorien der Stadt. Im Oratorio di San Giuseppe erwartet uns eine lebensgroße Krippendarstellung aus dem 16. Jahrhundert. Obwohl sie kunsthistorisch von Bedeutung ist, springt der Funke bei uns nicht wirklich über, und wir verweilen hier nur kurz.
Ganz anders ergeht es uns im Oratorio di San Giovanni Battista. Bereits beim Betreten des schlichten Gebäudes eröffnet sich ein überwältigender Anblick: Die Wände sind nahezu vollständig mit einem beeindruckenden Freskenzyklus der Brüder Lorenzo und Jacopo Salimbeni aus dem frühen 15. Jahrhundert bedeckt.

Die Szenen der Kreuzigung Christi und aus dem Leben Johannes des Täufers leuchten noch heute in erstaunlicher Farbigkeit. Die Ausdruckskraft der Figuren und die Fülle der Details ziehen uns sofort in ihren Bann.
Danach geht es über zahlreiche Treppenstufen und durch verwinkelte Gassen zum Piazza della Repubblica. In der Universitätsstadt herrscht zur Mittagszeit reges Leben. Studenten sitzen in den Cafés und auf dem Platz ist eine sehr lebendige Atmosphäre.
Nur wenige Schritte entfernt besuchen wir die Kathedrale von Urbino, den Duomo di Santa Maria Assunta. Der neoklassizistische Bau wirkt von außen und innen eher zurückhaltend, entfaltet aber gerade dadurch einen besonderen Reiz. Vor allem der kunstvolle Marmorboden und die kassettierte Kuppel ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich und verleihen dem Innenraum eine elegante Würde.
Der Höhepunkt unseres Tages ist jedoch der Palazzo Ducale, das Wahrzeichen Urbinos und eines der bedeutendsten Renaissance-Bauwerke Europas. Schon der harmonische Innenhof beeindruckt mit seiner Eleganz und ausgewogenen Architektur. In den herzoglichen Gemächern befindet sich heute die Galleria Nazionale delle Marche, die Meisterwerke von Piero della Francesca, Raffael und anderen bedeutenden Künstlern beherbergt.
Während wir durch die prächtigen Säle wandeln, bewundern wir nicht nur die Gemälde, sondern auch die Architektur selbst mit kunstvoll gestalteten Decken und großzügigen Räumen. Besonders fasziniert uns das berühmte Studiolo des Herzogs. Die meisterhaften Holzintarsien täuschen Regale, Bücher, Musikinstrumente und wissenschaftliche Geräte so realistisch vor, dass man unwillkürlich genauer hinsieht.
Mit einem letzten Blick auf das eher unscheinbare Geburtshaus des Renaissance-Malers Raffael endet unser Rundgang durch Urbino. Die Stadt hat uns mit ihrer einzigartigen Mischung aus Kunst, Geschichte und Atmosphäre begeistert. Vor allem das Oratorio di San Giovanni und der Palazzo Ducale werden uns noch lange in Erinnerung bleiben – zwei Orte, die den Zauber der Renaissance bis heute lebendig bewahren.
Unser Hotel liegt etwas abseits der Stadt. Auf einer kleinen Terrasse können wir spätnachmittags den Blick in die schöne Landschaft genießen.
Mittwoch, 20.06.2026 San Marino - Rimini
Mit weiteren schönen Landschaftseindrücken nähern wir uns heute San Marino. Die Straßen schlängeln sich durch die sanften Hügel Mittelitaliens, bis plötzlich hoch über der Landschaft der Monte Titano auftaucht. Auf seinem Gipfel thront die Republik San Marino. Der winzige Staat hat sich seit Jahrhunderten seine Unabhängigkeit bewahrt. Mit vielen Serpentinen erreichen wir die Altstadt.

Die historische Altstadt und die drei Festungstürme gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Doch der Besuch hinterließ bei uns keinen uneingeschränkt positiven Eindruck. Bereits bei der Ankunft fällt auf, dass der kleine Staat stark auf den Tagestourismus ausgerichtet ist. Die engen Gassen der Altstadt sind vielerorts von Souvenir Geschäften geprägt, die das historische Ambiente unangenehm überlagern. Zwar sind die Altstadt und die Festungsanlagen historisch bedeutend, doch der starke touristische Fokus lässt die historische Authentizität stellenweise in den Hintergrund treten. Für uns zu Unrecht eine Welterbestätte.

Die Aussicht vom Monte Titano mit Blick bis zur Adria ist zweifellos beeindruckend. Wer bereits andere mittelalterliche Burgen oder Bergstädte in Italien besucht hat, könnte die Sehenswürdigkeiten als weniger spektakulär empfinden als die zahlreichen Werbebroschüren versprechen.
Bekannt ist Rimini als beliebter Badeort an der Adriaküste. Tatsächlich bestätigt sich unser Eindruck, als wir zunächst an den Strand fahren. In einem kleinen Strandbistro genießen wir Pinsa und einen Eindruck des Badetourismus in den unzähligen 'Bagni', wo der Strandbesucher seine Liege und seinen Sonnenschirm mietet. Freie Strandabschnitte sind selten, daher ist der Strandbesuch teuer. Der kilometerlange, breite Sandstrand ist daher mit bunten Sonnenschirmen und Strandliegen ausstaffiert. Dahinter reihen sich die vielen Hotelkomplexe und Restaurants aneinander. Mittelklassetourismus.
Doch die Stadt hat auch eine andere Seite. Die historische Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen, belebten Plätzen und gemütlichen Cafés ist äußerst sehenswert.

Das Herz der Altstadt ist die Piazza Cavour mit Brunnen, Rathaus und imposanten Palästen. Der römische Triumphbogen aus dem Jahr 27 v. Chr. ist das klassische Eingangstor zur Altstadt und erinnert an die Bedeutung Riminis in der Römerzeit.

Begeistert sind wir von der Kirche Tempio Malatestisno. Die Fassade wurde nach dem Vorbild römischer Triumphbögen gestaltet und berücksichtigt harmonische Renaissance-Proportionen. Besonders schön schmücken zarte Marmorreliefs von Engeln und Heiligen, musizierende Figuren, Tierkreiszeichen, Planetendarstellungen und Allegorien der Tugenden und Wissenschaften den Innenraum. Besonders sehenswert ist das große Kruzifix von Giotto aus dem frühen 14. Jahrhundert – eines der ältesten und das wertvollste Kunstwerk der Kirche.
Die Ponte di Tiberio - eine der am besten erhaltenen römischen Brücken Italiens - wird leider aktuell renoviert. Damit verlassen wir Rimini.
Die nächsten beiden Nächte haben wir uns in Gatteo a Mare eingemietet. Der Ort lebt ebenfalls vom Badetourismus, ist aber kleiner als Rimini. Außerdem gibt es hier im Juni unschlagbar günstige Übernachtungsmöglichkeiten.
Abends finden wir sogar ein überraschend sehr gutes Restaurant (‘Atelier Gourmet’), das seinem Namen alle Ehre macht. Wunderbares Essen zu relativ günstigen Preisen.
Donnerstag, 11.06.2026 Ravenna - Cesenatico
Von unserer Italien-Reise im Jahr 2000 haben wir Ravenna noch in sehr positiver Erinnerung. Heute wollen wir noch einmal die Mosaiken der Spätantike (UNESCO Welterbe) bewundern. Etwas außerhalb von Ravenna liegt die Basilica di Sant’Apollinare in Classe, bekannt durch ein grandioses Apsis-Mosaik.

Die frühchristliche Basilika aus dem 6. Jahrhundert gilt als eines der bedeutendsten Beispiele byzantinischer Kirchenarchitektur in Westeuropa und ist berühmt für ihre außergewöhnlich gut erhaltenen Mosaiken.
Auch das Baptisterium der Neonier beeindruckt uns mit seinen farbenprächtigen Mosaiken. Die Darstellung der Taufe Christi in der Kuppel zählt zu den schönsten Beispielen frühchristlicher Kunst.
Ein besonderes Highlight ist das Mausoleum der Galla Placidia. Von außen erscheint das Gebäude eher schlicht, doch im Inneren eröffnet sich eine faszinierende Welt aus tiefblauen Sternenhimmeln und kunstvollen religiösen Motiven.
In der nebenan stehenden Basilika San Vitale fällt unser Blick auch sofort wieder auf die leuchtenden Farben der Mosaiken. Trotz ihres Alters von mehr als 1.400 Jahren wirken die Darstellungen erstaunlich lebendig.

Zum Abschluss besuchen wir die Basilica di Sant’Apollinare Nuovo (errichtet um 505 n. Chr.) Die von außen mit einer einfachen Ziegelfassade ausgestattete Basilika ist im Innenraum mit einem prachtvollen Mosaikschmuck geschmückt.
Seit 1996 gehören die wundervollen Mosaiken zum UNESCO-Welterbe „Frühchristliche Denkmäler von Ravenna“. Auch beim zweiten Besuch sind wir beeindruckt.

In Cesenatico erwartet uns weniger Kultur. Die Stadt ist berühmt für den Hafenkanal Porto Canale, entworfen nach Skizzen von Leonardo da Vinci. Kleine Fischerboote, bunte Häuser und Cafés bieten eine schöne Atmosphäre.

In einer Strandbar genießen wir den Blick über den Sonnenbeschirmten Badestrand.
Zurück in Gatteo a Mare speisen wir abends erneut sehr gut, aber etwas teurer im Ristorante Da Giorgio, spezialisiert auf Fischgerichte.
Freitag, 12.06.2026 Asti
Auf der Durchreise in die Provence legen wir noch einen Zwischenstopp in Asti ein.

Asti liegt mitten in einer der berühmtesten Weinregionen Italiens. Die Hügellandschaft rund um die Stadt lädt uns zunächst zu einer kleinen Wanderung ein. Etwas enttäuscht sind wir, dabei nicht einen Weinberg zu entdecken.
Abends erkunden wir die Altstadt, die am frühen Abend etwas ausgestorben wirkt. Zwischen mittelalterlichen Palästen und Türmen entdeckt man immer wieder stille Plätze und beeindruckende Backsteinarchitektur.
Ein Highlight ist die Cattedrale di Santa Maria Assunta. Die imposante gotische Kathedrale gehört zu den größten Kirchen des Piemont und beeindruckt mit ihren umfangreichen Fresken, Kapellen und einer schönen historischen Architektur. 
Zwischen mittelalterlichen Palästen und Türmen entdeckt man immer wieder stille Plätze und beeindruckende Backsteinarchitektur. Die erhaltenen Geschlechtertürme erinnern an den Reichtum der einstigen Kaufmannsfamilien. Besonders markant ist der Torre Troyana, der noch heute über die Dächer der Stadt ragt.
Asti ist kein überlaufener Touristenort, sondern eine authentische piemontesische Stadt. Die Kombination aus der eindrucksvollen Kathedrale, den mittelalterlichen Türmen und der entspannten Altstadt macht den Besuch besonders reizvoll.
Mit diesem letzten schönen Eindruck verlassen wir Italien. Die nächsten beiden Wochen werden wir es in der Provence etwas ruhiger angehen lassen.
Letzte Aktualisierung: Mai 2026 - © Anke Schlingemann und Detlef Hälker
